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Wir sind ein Wesen - kein Werkzeug

Aktualisiert: 17. Feb.

Ja klar, werdet Ihr jetzt sagen. Wir sind doch Menschen. Ja klar, sage ich. Aber Ihr behandelt Euch nicht wie Menschen, sondern wie ein Werkzeug das funktionieren muss und nach Möglichkeit nicht kaputt gehen darf.

Zur Verdeutlichung erzähle ich Euch eine Begegnung mit meinem alten Freund Bernd.

Es war eine dieser Begegnungen, die sich anfangs leicht anfühlen, doch plötzlich schwer in der Luft hängen. Denn was er mir gleich zu Beginn erzählte, lies mich aufhorchen.


"Ich gehe diesen Monat zur 5. Beerdigung."


Wenn man älter wird, hat man das Gefühl, dass die Menschen schneller sterben als sonst. Aber das liegt wohl eher daran, dass man selber aufgrund des fortgeschrittenen Alters dem Tod immer näher rückt und nicht nur wir selbst, sondern auch der eigene Bekanntenkreis und natürlich die eigenen Eltern, wenn sie noch leben. Großeltern, Onkel, Tanten - gibt es vielleicht schon nicht mehr.

Aber 5 Menschen in einem Monat erschienen mir doch etwas viel. Ich fragte also nach, wer gestorben sei und woran.

Die Antwort war erschreckend, denn vier von fünf waren erst Ende 50. Herzinfarkt, Krebs.

Ein Herz, das "einfach" aufhörte zu schlagen. Ein Körper, der sich lange vorher gemeldet hatte und doch nicht gehört wurde.

Und dann kam dieser Satz:


"Der mit dem Herzinfarkt hatte vorher gar nichts bemerkt. Es war immer alles okay."


Aber das stimmt nicht! Der Körper gibt nie keine Signale. Er flüstert sehr lange, bevor er schreit. Nur hören wir nicht zu.


Wir haben einfach das Gespür für uns selber verloren.


Viele Menschen bewegen sich durch das Leben wie durch ein Nebelmeer: Termine, Verpflichtungen, Erwartungen. Druck von außen, Druck von innen. Alles hat Priorität, außer der eigene Körper.


Man ignoriert Müdigkeit. Man ignoriert Enge im Brustkorb. Man ignoriert Schlaflosigkeit, Gereiztheit und Erschöpfung.

Man macht weiter, weiter und weiter.


Bis der Körper irgendwann die Notbremse zieht.


Die bittere Wahrheit: Die meisten Menschen sterben nicht "plötzlich". Sie sterben daran, dass sie zu lange nicht hingesehen haben. Dass sie gelernt haben, Signale zu übergehen. Dass sie glauben, stark sein zu müssen. Dass sie Leistung über Lebenskraft stellen.

Sie rennen, sie funktionieren, sie arbeiten, sie erfüllen.


Und das Erschreckendste: Selbst wenn die Menschen andere sterben sehen, sehen sie sich nicht selbst.


Ich bin mitten in der Woche, mitten am Tag eine große Runde mit meinem Hund spazieren gegangen, habe meinen Freund Bernd besucht, obwohl ich jede Menge zu tun hatte. Aber mein Körper verlangte eine Auszeit. Leider leben wir in einer Gesellschaft, die Pausen belächelt, aber Burnout geklagt. Die Gesundheit predigt, aber Erschöpfung lebt. Die den Tod verdrängt, aber keine Lebendigkeit zulässt.


Ich aber lasse mich nicht belächeln von jemanden, der kurz vor einem Burnout steht, wenn ich spazieren gehe. Ich lasse mich nicht von Medienhygiene abhalten von jemanden, der völlig erschöpft ist. Ich sage nein, wenn meine Grenzen erreicht sind, auch wenn meinem Gegenüber das nicht gefällt und er meint, dass ich schuld an seinem Elend hätte. Ich ruhe mich aus, wenn meine Seele schwer ist. Ich warte nicht, bis der Körper schreit.


Achtsamkeit ist kein Luxus. Sie ist Überlebenskunst.


Schaut Euch mal die einzelnen Bilder an, ob Ihr Euch dort wiedererkennt. Und wenn ja, habt Ihr Handlungsbedarf. Und wenn Ihr nicht wisst wie, kommt zu mir.



Geht es dir gut? Ja. Ich muss nur ganz kurz Luft holen. Ich komme gleich...
Geht es dir gut? Ja. Ich muss nur ganz kurz Luft holen. Ich komme gleich...
Hast du Schmerzen? Nein. Geht schon. Ich habe bestimmt etwas Falsches gegessen. Ich muss gleich zu einem Meeting...
Hast du Schmerzen? Nein. Geht schon. Ich habe bestimmt etwas Falsches gegessen. Ich muss gleich zu einem Meeting...
Was ist los mit Dir? Du machst doch jetzt nicht etwa schlapp? Komm lass uns feiern...
Was ist los mit Dir? Du machst doch jetzt nicht etwa schlapp? Komm lass uns feiern...
Hey, warum nimmst Du Deine Medikamente nicht? Dann geht es Dir doch wieder besser...
Hey, warum nimmst Du Deine Medikamente nicht? Dann geht es Dir doch wieder besser...
Was mache ich hier eigentlich?
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