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Wie Instagram unsere (Kunst)seele verzerrt...

... und warum wir wieder lernen müssen, einfach nur zu staunen,


Ich bin nicht nur spirituelle Beraterin, sondern auch Künstlerin. Eine, die mit Buntstiften fotorealistische Bilder zeichnet - klein, zart und detailverliebt. Meistens Motive aus der Natur. Ein einzelnes Goldhähnchen. Ein Blatt im Herbstlicht, ein neugieriges Eichhörnchen. Also stille Momente, eingefangen auf Papier.


Auf meiner letzten Ausstellung habe ich gesehen, wie Menschen davor stehen blieben, wie sie lächelten, wie sie innehielten. Manche hatten Tränen in den Augen, manche flüsterten "wie schön"... Ich sah wie meine Bilder Herzen berührten - ruhig, versöhnlich, leise. Und viele wollten genau dieses Gefühl mitnehmen und kauften ein Werk.

Das war ein erfüllender Moment.


Jetzt könnte man meinen, das ist doch alles toll. Alles richtig gemacht. Und doch kam danach dieses große "ABER".


Wie fast alle Künstler heute, habe ich auf Instagram und YouTube geschaut, was andere machen. Und ich war überwältigt. Riesige hyperrealistische Zeichnungen, meterhohe Portraits, Bleistiftkunst, die aussieht wie ein gestochen scharfes Foto. Videos, in denen Talent, Perfektion und Geschwindigkeit in wenige Sekunden zusammengepresst werden. Künstler, die wie Maschinen wirken. Ein Bilderflut, eine Vergleichsflut.


Und das stand ich nun mit meinem kleinen Goldhähnchen und dachte:

Ist das überhaupt gut genug?


Das Internet hat uns eine Tür geöffnet, die nie wieder zu schließen ist. Eine Tür zu Millionen von Werken, millionenfacher Technik, millionenfacher Perfektion.

Früher mussten wir ein Museum besuchen, wenn wir Kunst sehen wollten. Wir standen vor einem Gemälde, ganz nah, spürten seine Präsenz. Wir sahen den Pinselstrich. Wir rochen die Geschichte. Und dann gingen wir wieder hinaus und waren erfüllt und inspiriert und nicht abgewertet.


Wir sagten nie: "Ach der Monet kann aber besser malen als ich. Da kann ich es gleich lassen." oder "Die alten Meister machen meine eigenen Bilder wertlos." Nein.

Wir sagten: "Das ist aber schön.", "Das inspiriert mich,", "Das berührt mich."

Und dann lebten wir einfach weiter.


Instagram funktioniert anders. Es ist nicht ein einzelnes Kunstwerk. Es ist ein endloser Strom. Nicht ein Raum der Ruhe, sondern ein Karussell ohne Ausstieg.


Was macht das nun mit uns? Es verengt den Blick auf Perfektion nicht auf Gefühl. Es verzerrt unser Empfinden für echte Zeit, denn dort sieht alles schnell und mühelos aus. Ein Bild in ein paar Sekunden aufs Papier gebracht, wozu ich 20 Stunden brauche.

Es überflutet uns, bis wir nicht mehr spüren, was unseres ist. Es weckt den Impuls, uns zu messen, statt uns zu verbinden. Es erzeugt das Gefühl, nie gut genug zu sein.


Und ganz perfide: Wir vergleichen unser Schweigen, unsere Unsicherheiten und unsere Arbeitsstunden mit dem polierten Endergebnis anderer.


Wenn ich nun meine Betrachtungsweise von Instagram und Co. auf meine "einfache" Kunst übertrage, habe ich gelernt: Mein Goldhähnchen ist nicht weniger Wert als ein 3 Meter hohes Portrait. Es ist anders. Es erfüllt eine andere Sehnsucht.


Und das Entscheidende ist doch, dass meine Kunst Menschen berührt hat. Und zwar im echten Leben, von Angesicht zu Angesicht. Im Atem der selben Luft. Nicht in einem Sekundenclip. Meine Kunst gibt den Menschen etwas, was keine Kamera, kein Filter, keine algorithmische Bühne erzeugen kann: Stille, Frieden, Schönheit, Verbindung.


Vielleicht hat gerade die Kunst die Aufgabe, dass wir wieder lernen, was wichtig und echt ist. Nicht Geschwindigkeit, nicht Leistung, nicht Größe, nicht Klickzahl, nicht Reichweite.

Sondern dass Kunst eine Einladung ist für Berührung und Verbindung.


Dafür braucht es keine gigantischen Maße, sondern ein Herz, das etwas wahrnimmt, was andere übersehen.


Immer wenn wir uns vergleichen, schrumpfen wir innerlich. Immer wenn wir uns verbinden, wachsen wir.

Vielleicht ist das der Unterschied zwischen Online-Kunst und realer Kunst. Online erzeugt Eindruck. Und reale Kunst erzeugt Eindruck in einem Menschen. Versteht Ihr den Unterschied?


Mein kleines Werk hat also doch große Wirkung. Und die ist vielleicht sogar stärker, weil sie niemanden erschlägt, sondern einlädt. Weil sie Raum lässt. Weil sie leise ist. Und das Goldhähnchen ist vielleicht genau das, was die Menschen heute brauchen, da wir in einer Welt leben, die laut und überfüllt und unüberschaubar geworden ist. Vielleicht ein Balsam.


Das, was ich mit meiner Kunst und den digitalen Medien erfahren habe, lässt sich auch auf andere Lebensbereiche übertragen. Thema Partnerschaft und Ernährung sind zwei davon.

Davon erzähle ich dann in einem anderen Blogartikel.






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